MANN, FINGER WEG! – Warum Selbstmachen für Frauen auf dem Motorrad (und im Leben) so wichtig ist
Oder: Warum Selbstmachen manchmal wichtiger ist als Hilfe.
Neulich auf einem Parkplatz. Eine ältere Frau steht völlig aufgelöst neben ihrem Auto. Navi lost. Zusätzlicher Ausdruck vom Mann, der ihr den Weg vorher rausgesucht hat, hilft ihr auch nicht mehr – sie ist falsch abgebogen und steht nun irgendwo, wo sie nicht mehr weiterweiß. Ich richte ihr das Navi neu ein, sichere die Route zusätzlich auf Google Maps ab, male ihr sogar die wichtigsten Abzweigungen nochmal per Hand auf den Ausdruck. Gebe ihr meine Nummer, fahre voraus bis zur nächsten Gabelung. Sie war so froh, dass sie mir sogar Geld geben wollte, was ich natürlich nicht annahm. Am Abend rief sie seelig und dankbar nochmal an. Sie hat’s geschafft.
Was mir an solchen Situationen immer wieder auffällt: Es sind oft Frauen, die sich auf Technik, Navigation oder Handling nicht verlassen können – oder besser gesagt: nicht gelernt haben, sich auf sich selbst zu verlassen. Weil sie’s nicht dürfen? Weil es ihnen abgenommen wird? Ihnen nicht zugetraut wird? Es klare Rollenverteilungen gibt? Oder weil sie denken, es nicht zu können? Keine Zeit, keine Ader, keine Lust – oder einfach nie gebraucht?
Mir geht es hier nicht um die Gründe, denn sie sind vielschichtig und individuell. Hier geht es mir um das Ergebnis – das, was daraus oft folgt.
Gerade in längeren Partnerschaften erlebe ich es immer wieder – auch in meinen Trainings:
Der Mann macht das Navi, packt das Motorrad auf den Anhänger, montiert die Koffer, checkt den Luftdruck, dreht die Runde ums Bike. Die Frau ist einfach mit. Gut gemeint – keine Frage. Aber oft nicht hilfreich. Zumindest nicht langfristig.
Ich bin anders aufgewachsen. Lange allein unterwegs gewesen. Hab mir vieles selbst beigebracht oder zeigen lassen – weil’s eben musste. Jetzt bin ich in einer festen Beziehung. Mein Partner hilft gern, nimmt mir Dinge ab, während ich mich um anderes kümmere. Und das genieße ich auch – klar. Ihm fällt es leicht, macht’s Spaß. Ich mache andere Dinge lieber – so passt’s meist gut.
Aber wenn ich zu viel abgebe, merke ich:
Ich verliere den Draht. Nicht nur zum Motorrad, sondern auch zu mir und meinem Selbstvertrauen.
Selbstwirksamkeit ist kein Wellnesskonzept.
Sie ist Training. Und manchmal unbequem.
Selber machen heißt: Zeit investieren, Fehler machen, Nerven lassen, lernen. Aber es zahlt ein. Auf das wichtigste Konto, das wir haben: Unser Vertrauen in uns selbst – unsere Handlungsfähigkeit und am Ende unsere Sicherheit.
Ob beim Motorradfahren, beim Reisen, beim Pannen-Handling oder oder oder – du brauchst das Gefühl: Ich kann das selbst regeln. Nicht perfekt. Aber selbst. Und auch bewusst entscheiden zu können: „Okay, jetzt brauche ich wirklich Hilfe.“
Denn man kann und muss nicht alles können. DENNOCH:
In meinen Trainings sehe ich es immer wieder:
Da, wo vorher Unsicherheit, insbesondere bei wirklich wichtigen Basics, war – „Ich kann das nicht, mein Mann macht das sonst…“ – entsteht plötzlich Stolz. Kompetenz. Lust auf’s Lernen. Lust auf’s Selbermachen.
Ob beim Rangieren, beim Kette pflegen oder beim Umgang mit Navi & Technik.
Weil Wissen und Üben Sicherheit schafft.
Und Sicherheit bringt Spaß.
Und an die Männer da draußen, die gerne helfen wollen und darüber auch ihre Zuneigung zeigen:
Ja, ihr meint es gut. Ihr wollt helfen. Aber manchmal ist „Hilfe“ das Gegenteil von Support.
Wer seine Partnerin immer nur entlastet, nimmt ihr die Chance, in die eigene Kraft zu kommen.
Und ganz ehrlich – es geht hier nicht um Emanzipation auf Teufel komm raus. Es geht um die Sicherheit deiner Liebsten. Und die beginnt bei ihr – nicht bei dir.
Wer sich beim Reisen nicht selbst orientieren kann, wer nicht lernt, Abstände selbst einzuschätzen oder sein Bike selbst zu verzurren, ist im Zweifel eben auch gefährdeter. Oder bringt sich um tolle Erlebnisse, weil man nur zu zweit losfährt oder bei dem blöden Parkplatz eben nicht anhält.
Also: Bleibt gerne Gentlemen – aber gebt uns die Chance, eigene Erfahrungen zu machen.
Und an uns Frauen:
Selbst ist die Frau. Nicht, weil wir es müssen – sondern weil wir es können.
Weil es uns stärkt. Weil es uns unabhängiger und damit am Ende sicherer beim Fahren macht.
Und weil es sich gut anfühlt, wenn man im entscheidenden Moment sagen kann:
„Hab ich selbst gemacht.“
oder
„Klar halten wir hier – da komme ich hin und wieder raus.“
Und zu mir:
Auch ich bin in einem Prozess des Lernens, auch ich habe oft ein Zeitthema und einen Schweinehund, trotzdem ich andere unterstütze und mit anderen übe.
Es gibt auch noch einiges, womit ich mich intensiver beschäftigen darf. Denn z. B. mein Technikinteresse ist begrenzt.
Aber ich möchte Motorrad fahren – und da gehört es nun mal dazu.
Step by step.
Zum Abschluss:
Wie gesagt, es geht mir nicht darum, dass jeder und jede ALLES wissen, können und machen muss! Und ich spreche über MEINE bisherigen Erfahrungen. Vielleicht erkennst du dich ein Stück weit wieder – dann nimm’s nicht persönlich, sondern als Einladung zum Nachdenken:
- Wo lässt du dir (noch) zu viel abnehmen?
- Was weißt du noch nicht?
- Wo könntest du hilfreich loslassen?
- Was könntest du einfach mal zeigen?
Und wenn ihr als Paar drüber redet, findet sich sicher ein für beide passender Weg.
Ein kleiner Wermutstropfen noch:
Das ist leider keine Einmal-Geschichte. Auch wenn du etwas gelernt, verstanden oder schon mal gemacht hast – wenn du’s wieder dauerhaft abgibst, verlierst du den Draht wieder. Und fängst irgendwann wieder fast von vorne an.
Deshalb: Dranbleiben. Üben. Wiederholen.
Nicht jeden Tag – aber regelmäßig genug, dass aus Wissen wirklich Routine wird. Nebenbei: Routinen bringen Ruhe und Sicherheit!
Und wenn du dir dann bewusst helfen lässt, ist das kein Zeichen von „Ich kann das nicht“, sondern ein Sahnehäubchen.
Ich weiß:
Manchmal ist, sich in einer Beziehung etwas erklären zu lassen, nicht die leichteste Übung. Nicht immer ist es passend erklärt, nicht immer ist die Geduld groß genug – und so weiter und so fort.
Wenn du daher Unterstützung von außen suchst, melde dich gerne bei mir.
Liebe Grüße
Verena






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